Wandern Spezial

Der E1 im Teutoburger Wald

Der europäische Fernwanderweg E1 führt vom Nordkap bis nach Sizilien. Unser Gastautor Alexander ist rund um den Teutoburger Wald auf einem kleinen Teil dieser Strecke unterwegs: Sechs Tage lang wandert er von Detmold bis nach Willingen.

Ein Pferd auf weiter Flur

19.09.2017

Betten sind die besseren Couches

Heute morgen haben wir uns dazu entschieden, in Marsberg einzukehren und so die weitere Route geplant. Das wichtigste: zwei Betten. Über die Plattform "Couchsurfing" konnten wir uns Schlafplätze bei Matthias organisieren.

Beim Auschecken in Blankenrode haben wir uns noch mehrmals bei Herr Dewenter für den Schuppen bedankt. Er meinte nur flapsig "Nachts wirds schon so kalt, da kannste nicht mal mehr genug Schnaps gegen antrinken." Wahre Worte vom etwa 70 Jährigen der uns direkt mit seinem rauen Humor sehr sympatisch war. Zum Geschenk hat er uns noch ein Glas Honig aus eigenem Anbau mit der Bemerkung mitgegeben "dann werdet ihr wenigstens nicht krank".

Damit man die Last gut verteilt bekommt, ist Teamwork wichtig. Jeden Tag wechseln Flo und ich uns nun beim Zeltragen ab. Heute war leider ich dran.

Unsere Route führte uns am Berghang entlang und früh konnten wir in der Ferne schon Marsberg sehen. Der Blick ins Sauerland war leider etwas vernebelt. Doch immerhin: Auf halber Strecke haben wir ein Schaukelpferd auf dem Berg entdeckt. Wird wohl einer vergessen haben.

In Marsberg angekommen, haben wir die Wohnung von Matthias super gefunden. Da er auf Montage musste hat er uns einfach den Hausschlüssel hinterlegt und uns einen Raum, den er renoviert, bereitgestellt. Sehr cool wie viel vertrauen er uns als Fremden entgegengebracht hat.

Nach einer ausgiebigen warmen Dusche und Wäsche waschen haben wir uns in die Stadt begeben. In einer Sportsbar sind wir zu Bundesligaspielen und vielen interessanten Gesprächen mit den Einheimischen seeeehr lange versackt.

Die Eiche der Eichen

Trockenraum und Schlafplatz in einem

18.09.2017

Vom Regen in die Hütte

Durchwachsen geschlafen nach der Lagerfeuernacht, ging es in der früh für uns erstmal ins nächste Dorf, um unseren Proviant aufzufüllen. Im Supermarkt waren wir der Blickfang nummer eins. Durch unseren Hunger getrieben, haben wir viel zu viel eingekauft.

Endlich wieder bergauf laufen - das wurde auch Zeit! Das Wetter wechselte von Regen zu Sonne, Regen, Sonne, Regen, Sonne, Regen, Wolken, Regen zu Regen. Unsere Kleidung durften wir im Stundentakt wechseln. Flos Knie spielte dann auch nicht mehr so richtig mit und wir haben ein paar zusätzliche Pausen einlegen müssen. Früh war uns daher bewusst, dass wir unser Ziel Marsberg nicht mehr erreichen werden. Das neue Ziel hieß nun Blankenrode.

Auf dem Weg dahin haben wir ein Naturschutzgebiet durchquert in dem ein toller Baum steht: Roters Eiche. Der Sage nach wurde ein Förster hier vom Blitz getroffen und starb. Daher haben die Nachfahren hier eine Eiche für ihn gepflanzt.

Endlich in Blankenrode angekommen hat uns die erste Pension verwiesen, die zweite war ebenfalls ausgebucht. Netterweise hat uns die Pension Dewenter eine Hütte als Schlafplatz angeboten. Für uns war es wie ein 5-Sterne-Hotel. Total erschöpft und durchnässt haben wir uns direkt schlafengelegt.

Auf geht's!

Die Eule vorher ...

... und nachher

17.09.2017

Die brennende Eule von Neuenheerse

In der früh ging es mit schweren Knochen aus dem Zelt. Unsere Zeltnachbarn aus Köln haben uns netterweise Kaffee gezaubert und so haben wir gemeinsam gefrühstückt. Wir haben uns total verquatscht und die Zeit vergessen. Das wurde uns später noch zum Verhängnis.

Neben dem Traktorenmuseum liegt auch der Proberaum des Kempener Schützenvereins auf dem Campingplatz. Um punkt 11 Uhr begannen zusammen mit dem Hundegebell anliegender Häuser die Sonntagsproben.

Nach den ersten Kilometern sind wir im nächsten Dorf eingetroffen. Und plötzlich wurde der Himmel schwarz. Als der erste Blitz zu sehen war, haben wir uns direkt für eine Pause beim Italiener entschieden.

Zum Glück war der Rest der Tour um einiges entspannter als der Doppel-Aufstieg vom Vortag. Da wir am morgen mit den Kölner Studenten zu lang gequatscht haben, mussten wir am Abend unsere Tour verkürzen und haben den nächstgelegenen Campingplatz aufgesucht. Dort war aber keine Menschenseele anzutreffen. Nachdem wir online die Handynummer der Besitzerin herausgefunden hatten, konnten wir sie telefonisch überzeugen, extra für uns herzukommen. Wir hatten wohl Glück, denn in ein paar Wochen soll der Campingplatz für den Winter "dicht" gemacht werden.

Wir waren also komplett alleine auf dem Campingplatz. Irgendwie strange - aber auch mal eine coole Erfahrung. Uns ist direkt eine Holzstatue in Form einer Eule aufgefallen. Die Besitzerin meinte, "Die könnt ihr auf der Feuerstelle ruhig verbrennen, ein Flügel ist abgebrochen". Gesagt getan und in der Nacht hat die Holzeule ihren letzten Dienst getan und uns angenehme Wärme unterm sternenklaren Himmel geschenkt.

Nach den ersten Schritten bis zum Hermannsdenkmal

Unglaublich: Hochzeit am Hermann

Wir präsentieren: die Externsteine

16.09.2017

Von Detmold nach Kempen

Heute haben wir unsere Tour bei bestem Wetter in Detmold gestartet. Bei strahlendem Sonnenschein waren wir direkt Teilnehmer einer Hochzeit am Hermanndenkmals. Witzig, dass man direkt am Fuße von Hermann heiraten kann.

Danach ging es an den Externsteinen vorbei und der weg führte uns weiter Richtung Altenbeken. Wir waren froh, als wir den angeblich höchsten Punkt auf dem Lippischer Velmerstot erreicht haben und haben erschöpft Pause gemacht.

Nicht gererchnet hatten wir allerdings mit den nächsten Anstieg: Hundert Meter weiter lag die Preussische Velmerstot. Ein Schild hatte vorher schonden höchsten Punkt des Teutoburger Waldes angepriesen, der nächste Berg war dann aber schon das Eggegebirge. Danach ging es endlich nur noch entspannt bergab.

Heute Abend haben wir uns erstmal in einer urigen Kneipe bei Gabi im Dorf Kempem mit 85 Einwohnern ein gutes Schnitzel und Bier gegönnt. In dem Dorf gibt es außer der Gaststätte nur noch das Traktormuseum mit fast genau so vielen Traktoren wie Einwohnern. Nun gehts ab ins Zelt um den Akku für morgen wieder zu laden.

Viele Grüße aus dem Eggegebirge!

Titelbild: Blick vom Hermannsdenkmal auf der Grotenburg in Richtung Nordwesten über den Teutoburger Wald, Arminia aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0